Agrarklima

Agrarmeteorologische Berichte des Deutschen Wetterdienstes: Berichte ab 2019.

Die Bodenfeuchte und andere Wasserhaushaltsgrößen sind ebenfalls auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes zu finden: Bodenfeuchteviewer.

Die agrarmeteorologische Situation der Wachstumsperiode bis zur Ernte 2020

Die nachstehende Darstellung der für die Ernte 2020 maßgeblichen Witterungsverhältnisse stützt sich weitgehend auf die jahreszeitliche und monatliche Berichterstattung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) .

Der Herbst 2019 startete zunächst mit einer negativen Wasserbilanz, die sich über die Sommermonate aufgebaut hatte. Ab dem letzten Septemberdrittel bis in den November hinein sorgten teilweise ergiebige Niederschläge dann allmählich für eine Entspannung der kritischen Bodenfeuchtesituation. Im Flächen-mittel lagen die Niederschlagssummen im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 leicht über dem Mittelwert. Die Entwicklung verlief regional sehr unterschiedlich, wie auch aus der Abbildung zur jahreszeitlichen Klimatischen Wasserbilanz ersichtlich ist. In Thüringen und Sachsen wurden zum Ende des Herbstes nur knapp über 50 % nutzbare Feldkapazität (nFK) erreicht; in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen hingegen waren die Böden mit rund 100 % nFK in den oberen Bodenschichten gut aufgefüllt. Die tieferen Bodenschichten blieben aber überwiegend weiterhin zu trocken, was noch aus dem Wasserdefizit des Vorjahres resultierte. Darunter litten vor allem die Wälder.

Der September fiel aus meteorologischer Sicht nahezu „normal“ aus. Die Niederschläge erreichten 96 % des langjährigen Mittelwertes, reichten jedoch nicht aus, den Wassermangel der Vormonate und vor allem des Vorjahres in den Böden auszugleichen. Regional betrachtet waren die Böden im äußersten Süden und im Norden sehr feucht mit Werten von teils über 100 % nFK, im größten Teil des Landes aber eher trocken, insbesondere im Osten zwischen Magdeburg und Erfurt mit gebietsweise weniger als 25 % nFK. Die Winterrapsaussaat fand daher in vielen Gebieten erneut unter ungünstigen Bedingungen statt.

Der Oktober brachte eine Wende hin zu annähernd normalen Bodenfeuchteverhältnissen, zumindest für die oberen Bodenschichten und das deutsche Flächenmittel. Die monatliche Niederschlagsmenge lag 32 % über dem langjährigen Mittelwert. Speziell in den besonders nassen Regionen vom Südwesten bis in den Norden Deutschlands stellten sich in den oberen 60 cm des Bodens sogar überdurchschnittlich feuchte Verhältnisse und zeitweise gesättigte Böden ein. Weiterhin trockener als üblich präsentierten sich die Böden von Bayern bis Mitteldeutschland, aber auch dort entspannte sich die Bodenfeuchtesituation deutlich.

Der November lag im Bundesdurchschnitt mit 92 % des Niederschlagssolls knapp unter dem lang¬jährigen Mittelwert. Die großen regionalen Unterschiede in der Bodenfeuchte blieben bestehen. Während im Osten die Bodenwasservorräte in den tiefen Schichten noch immer nicht nachhaltig aufgefüllt werden konnten, waren die Felder beispielsweise in Norddeutschland aufgrund der nassen Böden teils nicht befahrbar. Ähnlich wie im Herbst 2017, jedoch in etwas geringerem Ausmaß als damals hatte dies regional einen Rückgang der Aussaatflächen von Winterweizen zur Folge.

Der Winter 2019/2020 war wüchsig, mild und gegen Ende sehr nass. In den ersten Wochen des meteorologischen Winters lagen die Niederschlagssummen etwa im vieljährigen Mittel. Ab Weihnachten beweg¬ten sie sich dann in den trockenen Bereich und stiegen im Februar steil in den feuchten Bereich an, so dass der Winter deutlich feuchter endete als im Vorjahr. Die Klimatische Wasserbilanz blieb ab Ende Januar – bis auf kleine Ausnahmen, wie etwa zum Ende der ersten Februardekade – positiv. Die höchsten Werte wurden Anfang Februar verzeichnet. Regional waren die Niederschlagsentwicklungen erneut sehr differenziert. Im Deutschlandmittel wurden im Dezember 85 % des Niederschlags vom Mittel 1981 bis 2010 erreicht. Dabei war es in Rheinland-Pfalz und im Saarland am feuchtesten, in Sachsen und Thüringen am trockensten. Im Januar fielen dann nur 65 % der durchschnittlichen Niederschlags¬mengen, wobei hier in Schleswig-Holstein und Hamburg die höchsten Werte zu verzeichnen waren und Bayern und Baden-Württemberg mit weniger als 50 % das Schlusslicht bildeten. Im Februar lagen alle Bundesländer bei über 200 % des vieljährigen Niederschlagsmittels; im Deutschlandmittel ergab dies 236 %. Damit war es der zweitnasseste Februar seit Aufzeichnungsbeginn 1881. Die Bodenfeuchten lagen während der Wintermonate meist bei rund 100 % nFK, wobei vor allem Sachsen und Thüringen deutlich niedrigere Werte aufwiesen und selbst im nassen Februar keine 100 % erreichten.

Frostphasen traten im Winter nur wenige auf. Das Gebietsmittel der Temperatur im Winter 2019/2020 betrug 4,2 °C. Damit lag die Abweichung zur Bezugsperiode 1981 bis 2010 bei +3,3 Kelvin. Daher konnten Zwischenfrüchte meist nicht abfrieren und die Winterkulturen keine ausreichende Frosthärte ausbilden. Ein positiver Aspekt der windigen und nassen Witterung bestand jedoch darin, dass die Ausbreitung von Rapsschädlingen gebremst wurde. Zum Ende der Jahreszeit wies die phänologische Entwicklung einen Vorsprung von ca. 2,5 Wochen verglichen mit dem vieljährigen Mittel auf.

Der Frühling 2020 zeichnete sich erneut durch eine außergewöhnliche Trockenheit aus. Bis Mitte März lag die mittlere Niederschlagssumme in Deutschland noch deutlich über dem Mittel 1981 bis 2010. Nahe¬zu zeitgleich mit dem Beginn der Vegetationsperiode Mitte März und dem wachsenden Wasserbedarf der Pflanzenbestände setzte eine sehr niederschlagsarme, sonnenscheinreiche und teils windige Witterung ein, die bis Ende April andauerte und zu einem starken Austrocknen der Böden in den oberen Schichten führte. Mit nur 16 mm Niederschlag und damit nur einem guten Drittel der üblichen Menge war der dritttrockenste April seit 1881 zu verzeichnen. Die Bodenfeuchte bis in 60 cm Tiefe lag im Deutschland-mittel bei nur rund 68 % nFK und damit markant unter dem Mittelwert von rund 87 % und so niedrig wie noch nie im Vergleichszeitraum seit 1991. Selbst in den beiden vorangegangenen Trockenjahren war in dieser Vegetationsphase mehr pflanzenverfügbares Wasser vorhanden als in diesem Jahr. Infolge¬dessen zeigten Getreidebestände bereits erste Trockenstresssymptome, und die Sommerkulturen liefen teils nur sehr langsam auf.

Mehrere Frostnächte sorgten im April regional für Schäden an verschiedenen Kulturen. Auch im Mai gab es – pünktlich zu den Eisheiligen – nochmals Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Dies führte in einigen Regionen zu Frostschäden an Obst und Reben sowie – in ungewöhnlich starkem Ausmaß – auch an in der Blüte befindlicher Wintergerste. In der Summe war auch der Mai deutlich zu trocken; mit 38 mm wurden 54 % des vieljährigen Mittels erreicht. Allerdings war die Niederschlagsverteilung sehr unterschiedlich. Während sich auf manchen Standorten die Trockenheit etwas abschwächen konnte, blieb es anderenorts kritisch. Vor allem in der Westhälfte und in der Mitte Deutschlands lagen die Boden¬feuchten weiterhin deutlich unter dem vieljährigen Mittel. Der durch vorangegangene Wärmeperioden entstandene Entwicklungsvorsprung in der Pflanzenwelt ging aufgrund der vergleichsweise niedrigen Temperaturen auf rund eine Woche zurück.

Der Juni fiel bei einer ausgeglichenen Sonnenscheinbilanz leicht zu warm aus; die Niederschlagssumme lag im Flächenmittel geringfügig über dem vieljährigen Mittelwert. Auf einen hochsommerlich warmen und sonnigen Monatsbeginn folgten Tiefdruckgebiete mit einem Mix aus Sonne, Wolken und Schauern, die von Gewittern begleitet örtlich Starkregen und Sturmböen brachten und Schäden an landwirtschaft¬lichen Kulturen verursachten. Mit Beginn der dritten Dekade stellte sich bei vorherrschendem Hoch¬druckeinfluss erneut hochsommerliche Witterung ein, bevor zum Monatsende ein Tiefdruckgebiet Niederschläge und Abkühlung brachte. Die Niederschlagsverteilung war erneut sehr unterschied¬lich. Im Bundesdurchschnitt wurde eine monatliche Niederschlagshöhe von rund 91 mm gemessen, ein Plus von rund 17 % gegenüber dem Mittel des Zeitraums 1981 bis 2010. Vom westlichen und südlichen Niedersachsen über Westfalen, das nördliche und östliche Hessen sowie Thüringen bis nach Bayern und bis in weite Teile Baden-Württembergs war spätestens ab der Monatsmitte ausreichend Wasser vor¬handen. Entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse sowie etwa nordöstlich einer Linie Weser-Harz-Erzgebirge blieb Wasser hingegen knapp. In den Regionen mit überdurchschnittlichen Niederschlägen ging Getreide teilweise ins Lager, und der Infektionsdruck von Pilzkrankheiten nahm zu. Wo der Regen ausblieb, wurden schlecht entwickelte Getreidebestände, die unter Wassermangel und Frostschäden gelitten hatten, gehäckselt und siliert. In vielen Früherntegebieten startete der Drusch von Wintergerste in der letzten Juniwoche.

Eingebettet in eine Strömung aus westlichen Richtungen überquerte im Juli eine Reihe von Ausläufern skandinavischer Tiefdruckgebiete Deutschland. Sie brachten dem Norden Wolken, Regen und zeitweise starken Wind. In der Südhälfte sorgte wiederholt Hochdruckeinfluss für sonnenscheinreiche Abschnitte. Dort bildeten sich gelegentlich Schauer und Gewitter, die vereinzelt Unwettercharakter annahmen und dem Alpennordrand auch länger anhaltend Niederschlag brachten. Insgesamt fiel der Juli überwiegend zu trocken aus, und einer kühlen und sonnenscheinarmen Nordhälfte stand eine warme und sonnen-scheinreiche Südhälfte gegenüber. Die Niederschlagshöhe betrug deutschlandweit 52 mm und erreichte somit 63 % des vieljährigen Durchschnittswertes von 83 mm. Die Mittelwerte wurden im Norden gebietsweise und im Süden Bayerns vereinzelt überschritten. Weniger als ein Viertel der mittleren Niederschlagsmenge fiel gebietsweise vom Südwesten bis Sachsen.

Die Bodenfeuchte war im Deutschlandmittel deutlich niedriger als im Mittel der Jahre seit 1991, lag aber mit 56,2 % nFK ein wenig höher als in den beiden Vorjahren, in denen es nur rund 50 % nFK waren, jedoch mit großen regionalen Unterschieden. Während im norddeutschen Tiefland und vor allem im Südosten Bayerns Niederschläge für teils über 100 % nFK sorgten, war es im Westen, Südwesten und Osten Deutschlands extrem trocken, mit Bodenfeuchten von teils unter 25 % nFK. In den feuchten Regionen mussten die Erntearbeiten teils wegen zu nasser Bestände pausieren; in den trockenen Regionen standen Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln, Grünland, Obstbäume und Wälder zunehmend unter Trockenstress. Zudem kam es während der letzten Monatsdekade zu wiederholten Wald , Feld  und Böschungsbränden. Vereinzelt setzte bei Bäumen und Sträuchern trockenheitsbedingt bereits die herbstliche Blattverfärbung oder der Blattfall ein. Der Monat endete mit der ersten kurzen Hitzewelle des Sommers 2020.

Die ersten Augusttage brachten in den meisten Landesteilen nur kurzzeitig unbeständiges Wetter. Süd¬lich der Donau stellte sich jedoch eine Dauerregenlage ein; dort stieg die Bodenfeuchte in Folge der flächendeckend hohen Niederschlagsmengen über 100 % nFK. Anschließend setzte sich ein Hochdruck-gebiet über dem Baltikum fest, blockierte die Westwinddrift und führte heiße Luftmassen nach ganz Deutschland. Die Erntearbeiten konnten unter diesen Bedingungen zügig vorangehen und gebietsweise schon abgeschlossen werden. Die Hitzewelle mit Tagestemperaturen über 30 °C, zeitweise sogar über 35 °C, hielt bis etwa zur Monatsmitte an. Großenteils verschärfte sich mit der hohen Verdunstung die Trockenheit weiter.

Während der zweiten Augustdekade stellte sich eine Gewitterlage ein. Zunächst kam es bevorzugt im Westen und in der Mitte zu zahlreichen Gewittern, die lokal durch extremen Starkregen erhebliche Schäden verursachten. Im Nordosten blieb es lange trocken und heiß, ehe es in der dritten Augustwoche auch dort vorübergehend gewittrig wurde. Nach und nach führten die Gewitter und regional auch mehrstündig anhaltender Regen zu einer deutlichen Anfeuchtung der oberen Bodenschichten. Davon konnten Mais und Zuckerrüben, aber auch das Grünland profitieren. Die Anfeuchtung war jedoch analog zur sehr uneinheitlichen Niederschlagsverteilung regional sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Vor allem nordöstlich der Elbe und entlang von Rhein, Mosel und Saar blieben die Böden vielerorts sehr trocken. Nach einer kurzen Hitzewelle um den 20. August setzte sich wechselhaftes Wetter mit gemäßigten Temperaturen und zeitweiligen Niederschlägen durch.

Unter dem Strich war der Sommer 2020 bei ausgeglichener Sonnenscheindauer zu warm und etwas zu trocken. Mit rund 230 Litern pro Quadratmeter Niederschlag im bundesweiten Mittel verfehlte der Sommer 2020 sein Soll (239 l/m²) nur leicht. Oftmals lagen Starkregenfälle mit Überflutungen und anhaltende Trockenheit nah beieinander. In einigen Regionen wie der Uckermark, der Leipziger Tieflandbucht, dem Saarland und entlang des Rheins fiel mit 70 bis 100 l/m² weniger als die Hälfte der dort typischen Niederschlagsmenge. Dagegen wurden an den Alpen über den Sommer hinweg über 700 l/m² gemessen und damit zehnmal so viel wie in den trockensten Regionen Deutschlands.

Der Beitrag ist Bestandteil der neuen Broschüre für besondere Ernte- und Qualitätsermittlungen 2020. Diese Broschüre wird im Mai 2021 veröffentlicht. Die Broschüre aus dem Jahr 2019 finden Sie hier: Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung 2019.